Laudatio für die Praxishauptschule der PH der Diözese Linz – Dr. Elfriede Schmidinger

Ich freue mich ganz besonders über die Ehre, die Laudatio für die Gewinnerin des AK- Schulpreises 2009, die Adalbert Stifter Praxishauptschule der PH der Diözese Linz halten zu dürfen.

Als Professorin der Päd. Akademie des Bundes kenne ich die Praxishauptschule als ÜHS der Nachbar-Päd. Ak. seit ihrer Gründung im Jahre 1973. Ich habe miterlebt, wie Dir. Rupert Vierlinger und sein AV. Erich Neuwirth für die neue Hauptschullehrerausbildung an der Päd. Ak. die Übungsschule nicht wie damals Regelfall als zweizügige Hauptschule, sondern als Gesamtschule gründete. Dir. Vierlinger achtete damals bei der Schüleraufnahme selbst darauf, dass es zu einer heterogenen Zusammensetzung der SchülerInnen kam, und zwar sowohl im Hinblick auf Leistung als auch auf soziale Herkunft, obwohl sich die ÜHS als private Schule auch ausschließlich begabte Schüler hätte aussuchen können. Das Vorbild war die Zusammensetzung einer normalen Volksschulklasse.

Auf die Verschiedenartigkeit der Kinder wurde nicht wie in den damaligen Schulversuchen zur integrierten Gesamtschule mit äußerer Differenzierung in Leistungsgruppen geantwortet, sondern ausschließlich mit innerer unterrichtlicher Differenzierung.

Als 1985 auf Grund der 7. SchOG die Leistungsgruppen in Deutsch, Mathematik und Englisch ins Regelwesen übernommen wurden, stellte sich die Frage nach der Differenzierung an der ÜHS wieder. Man entschied sich gegen die Leistungsgruppen und entwickelte unter Dir. Johannes Riedl und AV. Ewald Forster die jetzige flexible Differenzierung. Seit damals wird in D, E und Math. mit einer Kombination von Unterricht im heterogenen Klassenverband mit und ohne Teamteaching sowie fallweiser äußerer Interessens- oder Leistungsdifferenzierung in Halbklassen versucht, sowohl die Vorteile der Heterogenität als auch die der gleichen Interessen oder Problemlagen für das individuelle Lernen der SchülerInnen zu nützen. Dabei können die SchülerInnen oft selbst den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben wählen. Diese Individualisierung wird zum Teil im Rahmen des reformpädagogischen Konzepts des Dalton-Planes durchgeführt.

Die Adalbert Stifter Praxishauptschule sieht in der sozialen und begabungsmäßigen Durchmischung nach wie vor eine notwendige Voraussetzung für das soziale Lernen, das ihr wichtig ist. Als besondere soziale Lernfelder enthält ihr Schulprofil Konfliktmanagement, Fest- und Feierkultur sowie Schulmediation.

Den unterschiedlichen Begabungen und Interessen wird noch durch ein Angebot verschiedener Wahlpflichtfächer, wie Sprachen, Medien-Technik-Umwelt, Kreatives Gestalten und Lernwerkstatt entgegengekommen, aus dem die SchülerInnen frei wählen können. Die Interessensdifferenzierung wird zusätzlich verstärkt durch ein breites Spektrum frei wählbarer Unverbindliche Übungen, das von Informatik bis Tanz reicht. Grundsätzlich sollen die SchülerInnen im Unterricht erleben, dass Lernen zwar Anstrengung erfordert, aber prinzipiell lohnend ist.

Angereichert wird das Programm noch durch Projekte, die mehrmals im Schuljahr gestaltet werden. Alle diese Elemente ermöglichen den SchülerInnen, von ihren Interessen und Begabungen geleitet nicht nur relativ selbstbestimmt zu lernen, sondern auch sich bzw. die eigenen Arbeiten in Ausstellungen und Vernissagen in der eigenen Schulgalerie zu präsentieren. Nicht nur dafür bieten die von Architekt Riepl gestalteten Räumlichkeiten optimale Möglichkeiten. Für Kinder von Eltern, die ein solches Angebot wünschen, gibt es eine Nachmittagsbetreuung.

Die Adalbert-Stifter-Praxishauptschule bietet somit ein zukunftssicheres Praxisfeld für die schulpraktischen Erfahrungen der Studierenden der PH, die hier Differenzierungsformen und Unterrichtsmethoden kennenlernen können, die zukünftige Schulreformen vorwegnehmen.

Die sehr guten Leistungen der Adalbert Stifter Praxishauptschule werden auch durch externe Evaluationen, wie durch die Befindlichkeitsuntersuchung von Prof. Eder bestätigt. So ergab diese, dass an der Praxishauptschule weniger Störverhalten, weniger psychosomatische Beschwerden, weniger Schulangst und –stress als im Durchschnitt an österreichischen Hauptschulen auftreten.

Ein besonderer Indikator für die Leistungsfähigkeit der Adalbert Stifter Praxishauptschule ist für mich die Bewährung ihrer AbgängerInnen in den mittleren und höheren allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen. Rund 80% ihrer SchülerInnen schließen eine solche Schule positiv ab.

Obwohl die Praxishauptschule seit 1985 offiziell als reguläre Hauptschule geführt wird, wies sie eigentlich immer alle Elemente einer Gesamtschule auf. Ich fragte daher die Leiterin bei unserem Besuch, warum sie jetzt nicht auch den Schulversuch „Neue Mittelschule“ beginnen möchte. Sie antwortete: „Es bringt uns nichts!“

Ich kann diese Antwort gut verstehen, wenn ich mich auch frage, ob die geringe Attraktivität dieses Schulversuchs eventuell darin zu suchen ist, dass ihr die Versuchsbedingungen zu wenig Gesamtschule bieten bzw. zu wenig anspruchsvoll sind.

In diesem Zusammenhang hat mich besonders betroffen gemacht, dass die SchülervertreterInnen in einer Gesprächsrunde während unseres Besuches zwar glaubwürdig erklärten, dass sie in ihrer Schule entsprechend gefordert und gefördert werden und viel lernen, trotzdem aber von ihren Freunden in der AHS als „HauptschülerInnen“ diskriminiert werden.

Die Jury des AK-Schulpreises ist jedenfalls überzeugt, dass die Adalbert Stifter Praxishauptschule in Hinblick auf die Preiskriterien Hervorragendes leistet. Der AK-Schulpreis kann zwar den Schmerz der SchülerInnen über ihre Diskriminierung nicht mildern, aber wir möchten mit der Verleihung des Schulpreises 2009 die Leistungen der Schule entsprechend würdigen.

Wir gratulieren der Abteilungsleiterin Prof. Lischka und ihrem Team zu diesem Preis und wünschen weiterhin viel Erfolg!